Erhard Buntrock
Geigenbaumeister
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aktuell

Skaliert man die Quint, die Viola gegenüber der Violine tiefer klingt, in die Korpusgröße um, so erhält man für die Bratsche eine Korpuslänge von 48 cm. Ein solches Instrument ist unspielbar. Heute üblich ist eine Korpuslänge von 41- 42 cm; wesentlich
kleinere Bratschen (z.B. mit 38 cm Korpuslänge) lassen, speziell
in der Tiefe, den typischen Bratschenklang vermissen. Zu diesen Nachteil tritt der psychologische Aspekt: in vielen Orchestern wird ein Bratscher mit einer 39 cm-Viola nicht für voll genommen,
selbst wenn das Instrument klanglich gut sein sollte. Da für den Bratschenklang die abstrahlenden Flächen von Decke und Boden mindestens so wichtig sind wie das Volumen des Instruments,
waren Versuche mit größerer Zargenhöhe bei kleinerem Korpus in der Vergangenheit nicht besonders erfolgreich. Es läßt sich jedoch eine Viola konstruieren, die das Volumen und die abstrahlende Fläche einer 41-er Viola besitzt, obwohl die spieltechnisch
relevanten Maße wie Korpuslänge und Mensur wesentlich kleiner sind. Erreicht wird dies durch die seit langem bekannte cut off right shoulder(1), die durch einen reduzierten linken Unterbügel ergänzt wurde. Das gegenüber einer großen Viola fehlende Volumen bzw.
die fehlende Boden- und Deckenfläche wurden in die linke Schulter und die rechte untere Backe integriert. Die folgende Abbildung zeigt das von E. Buntrock entworfene und 1994 gebaute Instrument (durchgezogene Linie) im Vergleich zu einer herkömmlichen 41-cm-Viola (gestrichelte Linie).

Ergonomisches Design im Violabau

- ein neuer Prototyp

Viola von E. Buntrock

Dr. rer. nat. S. Beckert über eine Viola von E. Buntrock

Ergonomisches Design im Violabau

Ferner sind eingetragen: mit X der Schwerpunkt der schiefen Bratsche, mit O derjenige der herkömmlichen Viola. Die gestrichelte Linie im Wirbelkasten ist die Position des Obersattels der 41-er Bratsche. Die waagerechten Linien unterhalb der Schwerpunkte sind die Mensurlinien (Stegpositionen), durchgezogen wiederum für die schiefe Viola.

Im Vergleich zur herkömmlichen Viola fällt auf, daß der
Schwerpunkt und auch der Steg der schiefen Bratsche näher
am Spieler liegen.

Dies bedeutet:

a) wird das Instrument frei gehalten, so senkt allein der kleinere Abstand vom Kinnhalter zum Instrumentenschwerpunkt die erforderlichen Kräfte um mindestens 12 Prozent.

b) der linke Arm muß zur ersten Lage etwa 3 cm weniger weit gestreckt werden.

c) die Bogenkontaktstelle liegt 1-1,5 cm näher beim Spieler. Auf
den ersten Blick erscheint dies nur ein kleiner Vorteil, betrachtet
man jedoch seine Auswirkungen beim Spiel an der Bogenspitze,
so ist er erwähnenswert.

Insgesamt entsprechen die Belastungen beim Spiel der schiefen Viola denjenigen, die bei der Verwendung einer 38-er Bratsche auftreten.

Ein weiterer Vorteil des Instrumentes von E. Buntrock, speziell gegenüber dem in (2) vorgeschlagenen Korpus, ist die Form der Region um den Kopf: sie ist dem Hals des Spielers angepaßt und begünstigt eine korrekte Instrumentenhaltung.

(1) siehe z.B. im Kontrabaßbau

(2) E. von Holst: "Ein neuer Vorschlag zur Lösung des Bratschenproblems" in:

Zur Verhaltensphysiologie bei Tier und Mensch,

Gesammelte Abhandlungen Bd. II, 258 ff, Piper, München, 1970

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